Der Schmetterling: Sinnbild für die Vergeistigung der Materie (Analogie: Raupe = Inkarnation, Puppe = Tod, Falter = Geistwesen)

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Landschaftspflege, Verfahren und Effekte

Ergebnisse langjähriger Freilandversuche

 

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Von der Brennessel-Flur zur Kohldistel-Wiese in zwei Jahren

Ein großer Teil des Dauergrünlandes im Naturschutzgebiet und Europareservat Federseeried wird nicht mehr ordnungsgemäß landwirtschaftlich genutzt und weist daher unterschiedliche  Sukzessionsstadien auf. Bei einem Tastversuch zur Rekultivierung alter Grünlandbrachen zeigte es sich, daß beispielsweise eine Brennessel-Flur mit einem Ertragsanteil von 90 %  Urtica dioica durch jährlich dreimalige Mahd mit Abräumen in nur zwei Jahren in eine Kohldistelwiese umgewandelt werden kann. Die Mähtermine lagen Mitte Mai, Mitte Juli und  Ende September. Die Artenzahl an Gefäßpflanzen stieg in dieser Zeit von 17 auf 36, der Futterwert nach Klapp et al. (1953) von 1,3 auf 5,3 an.

BRIEMLE, G. 2000: Von der Brennessel-Flur zur Kohldistel-Wiese in zwei Jahren. – Tätigkeitsbericht 2000 der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung und Grünlandwirtschaft: 78-81; Selbstverlag Aulendorf 

 

Schaffung von artenreichem Grünland: Selbstberasung oft erfolgversprechender als kräuterbetonte Ansaaten

Während im Ansaatjahr 1993 erwartungsgemäß neben einigen typischen Ackerunkräutern (Hühnerhirse, Melden- und Gänsefußarten) vor allem die Quecke stark vertreten war, ging dieser Platzräuber im 1. und 2. Hauptnutzungsjahr deutlich zurück und überließ den angesäten Futtergräsern das Terrain. Dies ist vor allem für die extensiver genutzten Bereiche erstaunlich, da z.E. keinerlei Herbizide eingesetzt wurden, z.A. die anstehenden Hanggley-Pelosole und kolluvialen Gleye von Natur aus sehr nährstoffreich sind und der Quecke daher standörtlich zusagen. Dies spricht jedoch für die Kampfkraft der angesäten Grasarten. Im Gegensatz zu Experimenten anderenorts mit der Etablierung von Extensivgrünland nach langjähriger Ackerperiode gab es hier keine Probleme mit der Acker-Kratzdistel.

Ein sofortiges Etablieren typischer Grünlandkräuter gelang allerdings nicht. Wie auch Erfahrungen anderenorts zeigten, fassen die mit der Futtermischung angesäten Arten nur sehr zögerlich Fuß, selbst dann, wenn die Saatstärke von 35 auf 20 kg/ha gesenkt und der Krautanteil merklich erhöht wurde. Allerdings zeichnet sich jetzt schon ab, daß die artenreicheren Ansaat-Mischungen auch auf der Fläche die vielfältigeren Pflanzenbestände zeigen.

Absolut gesehen hatte die Selbstberasung innerhalb von 3 Jahren die größten Zuwächse an Pflanzenarten, nämlich von 13 auf nicht weniger als 32! Zwar dominierten im ersten Beobachtungsjahr auch hier die Ackerunkräuter, allen voran die Hühnerhirse mit nicht weniger als 80 %. Allein durch eine Mindestnutzung, jedoch ohne Einflußnahme des Menschen auf die Artenausstattung,  hat sich die spontan aufgekommenen Vegetation innerhalb von drei Jahren zu verfütterbaren Pflanzenbeständen entwickelt! In der Tat konnten sich mit 25 % Deutschem Weidelgras und 30 % Weißklee beste Futterpflanzen ansiedeln. Samen dieser  beiden Arten mußten also aus früheren Grünland-Zeiten noch im Boden vorhanden gewesen sein.

BRIEMLE, G. 1996: Grünland-Neuansaat der Betriebsflächen "Sennhof", Deggerhausertal. - Tätigkeitsbericht 1996 der Lehr- und Versuchsanstalt Aulendorf:87-90.  

 

Mulchen führt zu einer nur langsamen Ausmagerung des Standortes an Nährstoffen

Mulchen erzeugt Pflanzenbestände, die physiognomisch wie auch hinsichtlich der Biomasseproduktion zwischen denen ausgemagerter und gedüngter Bestände liegen. Das Mulchen führte nicht zu einer  Ausmagerung des Bodens an Nährstoffen: Es erzeugt auf längere Sicht zwar weniger Biomasse als bei Mahd mit Entzugsdüngung, die Aufwuchsmengen liegen dennoch um 35 % höher als bei der Variante  Mahd ohne Düngung. 2-malige Mahd ohne Düngung entzieht dem Boden in etwa dieselbe Nährstoffmenge wie 3-maliges Mulchen.

Quelle: BRIEMLE, G. 1998: Aulendorfer Extensivierungsversuch: Ergebnisse aus 10 Jahren Grünland­ausmagerung. - Landinfo 8/98: 1-7, LEL-Verlag Schwäbisch Gmünd. 

 

Mechanische Offenhaltung ökologisch günstiger als Brennen

Angesichts der EG weiten Überproduktion an landwirtschaftlichen Erzeugnissen wird die Herausnahme landwirtschaftlicher Flächen aus der Produktion (Flächenstillegung, Extensivierung) in verstärktem Maße in  der Öffentlichkeit diskutiert. Bisherige Untersuchungen auf brachgefallenem und versuchsweise extensiv gepflegtem Kulturland haben ergeben, daß die Schnittnutzung (Mähen, Mulchen) meist größere  landschaftsökologische Vorteile bietet als die Feuerbehandlung (kontrolliertes Brennen). Auf vielen Grünlandstandorten ist es nun aus Gründen der Artenvielfalt der heimischen Pflanzen und Tierwelt  notwendig, jährlich mindestens ein bis zweimal zu mähen (und abzuräumen) bzw. zu mulchen. Unter dieser ökologisch begründeten Mindestnutzung erwachsen für einen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe  Möglichkeiten einer sinnvollen Verwertung des Pflanzenmaterials, aber auch der "bloßen Landschaftspflege” als Dienstleistungsaufgabe für die Gesellschaft.

Quelle: BRIEMLE, G. H.G. KUNZ & A. MÜLLER 1987: Zur Mindestpflege der Kulturlandschaft, insbesondere  von Brachflächen aus ökologischer und ökonomischer Sicht. - Veröff. Naturschutz Landschaftspflege 62: 141-160; LfU Karlsruhe. 

 

Zur Pflege von Streuwiesen

  1. Die im Spätsommer wiederaufgenommene mechanische Pflege der brachgefallenen Streuwiese bewirkte generell eine Förderung typischer Streuwiesenpflanzen (z.B. Teufelsabbiß, Pfeifengras, Alant) auf Kosten starkwüchsiger Hochstauden (z.B. Mädesüß, Wiesenraute, Gilbweiderich). Schon während der ersten 6 Versuchsjahre kam es zu einem Anstieg der Artenzahlen um durchschnittlich 55 Prozent!
  2. Ein früher Mahd- oder Mulchtermin im August förderte das schnittempfindliche Pfeifengras nur im Bereich der Hochstaudenflur (Filipendulion), nicht aber in der Pfeifengraswiese selbst (Molinion). Hier  ging es durch die Frühmahd sogar zurück.
  3. Unter “Mähen ohne Düngung” erfolgte im Filipendulion einer Ausmagerung an Bodennährstoffen,  was sich u.a. am Rückgang der Bestandeshöhe und an der Höhe der Biomassenproduktion ablesen ließ. Im Molinion war dies nicht zu beobachten.
  4. PK-Düngung mit 60 kg/ha Phosphor und 100 kg/ha Kalium bewirkte innerhalb des Molinion einen deutlichen Anstieg der oberirdischen Biomasse-Produktion. Die Analyse der Nährstoffentzüge  ergab, daß die ungedüngte Mähvariante dem Boden um ein Drittel weniger Nährstoffe als die gedüngte entzieht. Mulchen liegt etwa dazwischen. Dies deutet darauf hin, daß ein Großteil der im Mulchgut  enthaltenen Nährelemente vom Pflanzenbestand wieder aufgenommen wird. Das gilt auch für den Stickstoff, der während des Mineralisierungsprozesses offenbar kaum verloren geht.
  5. Die PK-Düngung bewirkte besonders im Molinion einen kontinuierlichen Anstieg der Artenzahlen, und zwar von 25 zu Beginn der Pflegearbeiten auf 46 Arten pro 25 qm. Allerdings sind es vor allem Arten  der Wirtschaftswiesen, die eine spektakuläre Zunahme zu verzeichnen hatten. In dieser Variante kommen nach 10 Versuchsjahren Arten der Streuwiesen gemeinsam mit solchen extensiv genutzter Futterwiesen vor.
  6. Das düngefliehenden Pfeifengras wurde jedoch durch die PK-Düngung vertrieben: Nach 10 Versuchsjahren nahm Molinia caerulea auf dieser Parzelle von ursprünglich 60 auf 1 Prozent Deckdungsgrad ab!
  7. Durch “Kontrolliertes Brennen” zeigten sich gegensätzliche Effekte zur mechanischen Pflege: In den gebrannten Parzellen wurden Arten mit hohen Nährstoffansprüchen gefördert und Magerkeitszeiger  verdrängt. Die Feuerbehandlung konnte ein weiteres Verbuschen mit Himbeer, Faulbaum und Strauchweiden nicht aufhalten, und es kam zu einem Rückgang der Artenzahlen.
  8. Nach deutlichen “Turbulenzen” innerhalb der ersten 5 Versuchsjahre kam die  Vegetationsdynamik nach 10 Jahren Beobachtungszeit nunmehr soweit zur Ruhe, daß sich auf dem Großteil der Versuchsfläche ein Gleichgewicht zwischen Standort, Bewuchs und Pflegefrequenz  eingestellt hat. Es zeigte sich, daß ein spätsommerlicher Mulchtermin in Streuwiesen dieselben (positiven) Effekte mit sich bringt, wie Mähen mit Abräumen.

BRIEMLE, G. 1992: Ergebnisse aus 10jähriger Pflege einer brachgefallenen Streuwiese des Alpenvorlandes. - Naturschutzforum Band 5/6: 87-114, Kornwestheim  

 

Verschiedene Strategien zur Adlerfarnbekämpfung im Vergleich

 Zwischen 1996 und 2000 wurde auf der Gemarkung Weisenbach (Murgtal / Nordschwarzwald) ein Freilandversuch mit der Zielsetzung durchgeführt, verschiedene Methoden zur Zurückdrängung des Adlerfarns (Pteridium aquilinum)  zu erproben. Neben der Beweidung mit Schafen kamen zwei mechanische Offenhaltungsmaßnahmen (Mulchen, Mähen mit Abräumen) wie auch deren Kombination mit Herbizid-Anwendung zum Einsatz. Mit dem Herbizid “Roundup”  wurde das beste, mit Schafbeweidung das schlechteste Ergebnis erzielt. Die Resultate im einzelnen:

Schafbeweidung: Die jährlich 3-malige Schafbeweidung war binnen 5 Jahren nicht  in der Lage, den Farn zurückzudrängen oder in seiner Vitalität zu schwächen. Im Gegenteil: Seine Artmächtigkeit verdoppelte sich!

Zwei Pflegegänge: Jährlich 2-maliges Mähen mit Abräumen (Ende Juni und  September) vermochte den Farn etwas mehr zurückzudrängen als zweimaliges Mulchen. Keines der beiden Pflegeverfahren war während des 5-jährigen Beobachtungszeitraums in der Lage, die Pflanze entscheidend zu dezimieren.

Ein Pflegegang: Unter nur 1-maligem Mähen / Mulchen Ende Juni und damit zum Zeitpunkt des Wachstumszenits war der Zurückdrängungseffekt etwas geringer als bei der zweischnittigen Variante.

1-maliger Herbizid-Einsatz mit “Hoestar”: Das Präparat zeigte lediglich im Jahr nach der Applikation Wirkung. Danach erholte sich der Farnbestand rasch wieder. Die Schädigung des Farns förderte andererseits das spontane Aufkommen von Pioniergehölzen.

1-maliger Herbizid-Einsatz mit “Roundup”: Dieses Präparat schädigte den Farnbestand massiv, konnte ihn aber nicht gänzlich abtöten. Mit "Roundup" wurde somit das mit Abstand beste Resultat erzielt. Durch das Ausbleiben des Farns wurde es allerdings Pioniergehölzen möglich, im großen Stil auf der Fläche Fuß zu fassen und die Sukzession zum Wald zu beschleunigen.

Unbehandelte Kontrollfläche: Kann sich das Farnkraut ungestört entwickeln, bilden sich im Laufe der Jahre dichte, den Boden stark beschattende, bis zu 2 m hohe Pflanzenbestände. Sie verhindern damit die Invasion von Gehölzen und eine Sukzession zum Wald auf lange Sicht.

BRIEMLE, G. 2002: Adlerfarn-Bekämpfung im Schwarzwald: Verschiedene Strategien und ihr Erfolg. - Tätigkeitsbericht der LVVG Aulendorf: 56-58.

BRIEMLE, G. 2002: Stategien zur Adlerfarnbekämpfung. Wie ist ihr Erfolg zu beurteilen? - Landinfo Baden-Württ. H.2/02: 1-7, Schwäbisch Gmünd.

 

 

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Der Schmetterling: Sinnbild für die Vergeistigung der Materie (Analogie: Raupe = Inkarnation, Puppe = Tod, Falter = Geistwesen)

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