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Wirtschaftsgrünland: intensive Nutzung

Ergebnisse langjähriger Freilandversuche:


 Lichtstellung bewirkt bei ausreichender Nährstoffversorgung mehr als die Düngung!

 Auf einem viermal genutzten Grünland im württembergischen Alpenvorland wurde in versuchsmäßig bewirtschafteten Kleinparzellen (25 m2) die Auswirkungen 7 verschiedener technischer Verfahren der  Güllebehandlung auf den Pflanzenbestand, die Erträge sowie auf die Bodennährstoffgehalte untersucht.

Varianten der Versuchsanlage:

  1. Keine Düngung
  2. PK, mineralisch
  3. NPK, mineralisch
  4. Gülle, unbehandelt
  5. Gülle, belüftet
  6. Gülle separiert, Flüssigphase
  7. Biogas, Faulschlamm
  8. Biogas, Faulschlamm separiert Flüssigphase
  9. Gülle separiert, Festphase
  10. Gülle separiert, Festphase kompostiert

 Wie die  Auswertung des botanischen Datenmaterials nach 8 Versuchsjahren zeigt, hatten die unterschiedlichen Verfahren der Güllebehandlung keine oder nur geringe Auswirkungen auf den Pflanzenbestand. Lediglich die NPK-Variante unterschied sich von  der Null-Variante deutlich. Bei allen Varianten mit organischer Düngung erfolgte generell ein Anstieg des Klee- und Krautanteils.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies darauf zurückzuführen, daß die Wiese - nicht mehr wie bisher  praxisnah -  sondern versuchsmäßig und unter futterbaulich optimalem Bedingungen bewirtschaftet wird. Der Versuch wurde strikt  4 mal und jeweils zum gleichen Wuchsstadium genutzt, was in der Praxis nicht geschah. Die versuchsmäßige, im   Spannungsfeld zwischen Nutzung und Düngung optimierte Bestandesführung ist offensichtlich der Grund für die generelle Abnahme des Grasanteils bei gleichzeitiger Zunahme des Weißklees und des Löwenzahns. - Denn, auch hier bewahrheitet sich  die aus anderen Freilandversuchen gewonnene Erfahrung: Lichtstellung bewirkt bei ausreichender Nährstoffversorgung mehr als die Düngung! 

Wirkung technisch behandelter Güllen auf den Pflanzenbestand einer Vielschnittwiese

Auf einem viermal genutzten Grünland im württembergischen Alpenvorland wurde in versuchsmäßig bewirtschafteten Kleinparzellen (25 m2) die Auswirkungen 7 verschiedener technischer Verfahren der Güllebehandlung auf den Pflanzenbestand, die Erträge sowie auf die Bodennährstoffgehalte untersucht.

Wie die Auswertung des botanischen Datenmaterials nach 8 Versuchsjahren zeigt, hatten die unterschiedlichen Verfahren der Güllebehandlung keine oder nur geringe Auswirkungen auf den Pflanzenbestand insgesamt. Lediglich die NPK-Variante unterschied sich von der Null -Variante deutlich. Bei allen Varianten mit organischer Düngung  erfolgte ein Anstieg des Klee- und Krautanteils gegenüber dem Zustand zu Versuchsbeginn. Repräsentativ dafür ist die obige Abbildung zur Variante “Gülle, unbehandelt”.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies darauf zurückzuführen, daß die Wiese - nicht mehr wie bisher praxisnah - sondern versuchsmäßig und unter futterbaulich optimalem Bedingungen bewirtschaftet wird. Der Versuch wurde strikt  4 mal und jeweils zum gleichen Wuchsstadium genutzt, was in der Praxis nicht geschah. Die versuchsmäßige, im Spannungsfeld zwischen Nutzung und Düngung optimierte Bestandesführung ist offensichtlich der Grund für die generelle Abnahme des Grasanteils bei gleichzeitiger Zunahme des Weißklees und des Löwenzahns. - Denn, auch hier bewahrheitet sich die aus anderen Freilandversuchen gewonnene Erfahrung: Lichtstellung bewirkt bei ausreichender Nährstoffversorgung mehr als die Düngung!

Wie zu erwarten war, weisen PK- und Null-Düngung gegenüber der NPK-Düngung  statistisch gesicherte höhere  Anteile an krautigen Pflanzen (einschließlich Leguminosen) auf. Auch die Unterschiede zwischen der NPK-Variante und der Variante “Gülle, unbehandelt” sowie den organisch gedüngten Parzellen insgesamt sind signifikant.  Betrachtet man den Weißklee für sich, so kommt dieser in der Variante ohne jegliche Düngung gegenüber jener mit  NPK-Düngung mit 20 % höheren Anteilen hochsignifikant vor (Irrtumswahrscheinlichkeit p = 0,1 %) . Auch ist der Klee-Anteil unter Null-Düngung mit 30 % gegenüber jenem unter Gülle-Düngung (19 %) statistisch gesichert.

Mineralische Volldüngung hilft am besten gegen Vermoosung im Grünland

Im Hinblick auf die Beantwortung der Frage, inwiefern sich die jeweilige Düngung auf verschiedene Pflanzengesellschaften auswirkt, läßt sich die untenstehende  Rangfolge  aufstellen. Sollen die Ergebnisse auf andere Standorte und Pflanzenbestände übertragen werden, ist dies nur dann möglich, wenn auf die  Pflanzengesellschaften Bezug genommen  wird. Für jede einzelne der 7 Gesellschaften wiederum ergibt sich die folgende, nach hinten abnehmende moosverdrängende Wirkung der Düngevarianten V 2 bis V 6:

  1. Schweizer Löwenzahn - Borstgrasweide (Leontodonto helvetici-Nardetum); mittlere Bestandes-Nährstoffzahl (mN) = 3,0; hier: Wiedener Eck (Schwarzwald): V 5, 2, 3, 4, 6. Unter Null-Düngung (V 1) stieg der Moosbesatz um 9 %.
  2. Hornkleereiche Rotschwingel-Flügelginsterweide (Festuco-Genistelletum  Subassoziation mit Lotus corniculatus); mN = 3,8; hier: Zell-Atzenbach (Schwarzwald): V 5, 6, 4, 2, 3. Unter Null-Düngung (V 1) stieg der Moosbesatz um 13 %.
  3. Bergrispenreiche Goldhaferwiese (Trisetetum Subass. mit Poa chaixii); mN = 5,4; hier: Wieden-Graben (Schwarzwald): V 5, 6, 4, 2, 3. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 45 % zu. 
  4. Bärwurzreiche Goldhaferwiese (Trisetetum Subass. mit Meum athamanticum); mN = 5,5; hier: Bernau (Schwarzwald): V 5, 2, 3, 6, 4. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 36 % ab.
  5. Kleereiche Goldhaferwiese (Trisetetum Subass. mit Trifolium repens und - pratense); mN = 5,7: hier: Titisee-Neustadt (Schwarzwald): V 5, 2, 6, 4, 3. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 18 % ab.
  6. Labkrautreiche Berg-Glatthaferwiese (Arrhenatheretum montanum Subass. mit Galium album); mN = 5,8; hier: Unterkochen-Glashütte (Schwäbische Alb): V 5, 4,  2, 3, 6. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 2 % ab.
  7. Weißkleereiche Berg-Glatthaferwiese (Arrhenatheretum monanum Subass. mit  Trifolium repens); mN = 6,4; hier: Wilsingen (Schwäbische Alb): V 3, 2, 5, 4, 6. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 36 % ab.

Unter den 6 Versuchsvarianten ergibt sich schließlich folgende, nach unten abnehmende Reihenfolge der moosverdrängenden Wirkung:

  1. Ordnungsgemäße Mineraldüngung (= Variante 5)
  2. Mineraldüngung nach MEKA (= Variante 6)
  3. Grunddüngung + Kalkstickstoff (= Variante 2)
  4. Grunddüngung + 10 dt/ha Branntkalk (= Variante 4)
  5. Grunddüngung + 5 dt/ha Branntkalk (= Variante 3)
  6. Keine Düngung (= Variante 1)

BRIEMLE, G., M. ELSÄSSER & R. HESS 2000: Versuche zur Möglichkeit der Moosverdrängung  auf Extensiv-Grünland durch unterschiedliche Düngung. - in: Ministerium Ländlicher Raum (Hrsg.): Forschungsreport VII über die Agrarforschuchung in Baden-Württemberg, S. 27-28, Selbstverlag Schwäbisch Gmünd.

Wirkung verschieden hoher Gaben von Wirtschaftsdüngern (Gülle, Festmist) auf   den Pflanzenbestand einer Vielschnittwiese

Am Standort Aulendorf (Alpenvorland) wurden in einem, an der Praxis orientierten   Freilandversuch (Großflächenversuch) zwischen 1993 und 2000 die Auswirkungen verschieden hoher Gaben von Wirtschaftsdüngern auf den Pflanzenbestand untersucht. Die Versuchsvarianten waren:

  • 60 m3 Gülle/ha (3 x 20 m3/ha + 80 kg N über 2 x 1,5 dt/ha Kalkammonsalpeter)
  • 100 m3 Gülle/ha (5 x 20 m3)
  • 90 m3 Gülle/ha (3 x 30 m3)
  • 150 dt Festmist/ha (einmalige Gabe im Herbst + 140 kg N über 5 dt/ha KAS)
  • 150 dt Festmist/ha (einmalige Gabe im Herbst, ohne mineralischen Zusatzdüngung)

Ergebnis:

Die in der Größenordnung zwischen 60 und 100 m3 pro Jahr ausgebrachten Güllemengen  erzeugen bei durchschnittlich 4-maliger Schnittnutzung zwar erwartungsgemäß artenarme, aber überraschend grasbetonte und damit bezüglich  eines anzustebenden Narbenschlusses  eher labile Pflanzenbestände. Der hohe Anteil an rasch zur “Verholzung” neigenden Weidelgräsern von zusammen mehr  als einem Drittel der Biomasse (35 %) trägt seines dazu  bei, daß die Wiese nur eine sehr geringe Nutzungselastizität besitzt. Sie ist damit auf eine stets  rechzeitige Nutzung angewiesen, um die vorhandene Futterqualität nicht zu gefährden.

Ein deutlicher Hinweis auf diese Labilität gibt die hier regelmäßig erscheinende Weiche Trespe : Offenbar kam es hier zu einer jährlich aufs neue erfolgenden “Beimpfung” der  Flächen mit dem Samen des frühreifen Grases, welcher den Verdauungstakt des Rindes unbeschadet durchwandert, um mit der Gülle wieder  auf die Wiese zu gelangen.

Obwohl die Narbendichte auf den Festmist-Parzellen insgesamt etwas geringer ausfällt als auf den begüllten Flächen, ist der Futterwert bei ersteren eher etwas  höher. Dies ist  offensichtlich dem dort höheren Klee- und Krautanteil zuzuschreiben.

Die in der Größenordnung zwischen 60 und 100 m3 pro Jahr ausgebrachten Güllemengen erzeugen bei durchschnittlich 4-maliger Schnittnutzung zwar erwartungsgemäß artenarme, aber überraschend grasbetonte und  damit bezüglich eines anzustebenden Narbenschlusses eher labile Pflanzenbestände. Der hohe Anteil an rasch zur “Verholzung” neigenden Weidelgräsern von zusammen mehr als einem Drittel der Biomasse (35 %) trägt seines dazu bei, daß die Wiese nur eine sehr geringe Nutzungselastizität besitzt. Sie ist damit auf eine stets rechzeitige  Nutzung angewiesen, um die vorhandene Futterqualität nicht zu gefährden. Ein deutlicher Hinweis auf diese Labilität gibt die hier regelmäßig erscheinende Weiche Trespe: Offenbar kam es hier zu einer jährlich aufs neue erfolgenden “Beimpfung” der Flächen mit dem Samen des frühreifen Grases, welcher den Verdauungstakt des Rindes unbeschadet durchwandert, um mit der Gülle wieder auf die Wiese zu gelangen. Obwohl die Narbendichte auf den  Festmist-Parzellen insgesamt etwas geringer ausfällt als auf den begüllten Flächen, ist der Futterwert bei ersteren  eher etwas höher. Dies ist offensichtlich dem dort höheren Klee- und Krautanteil zuzuschreiben. Letzterer ist auf den Festmistvarianten höher als auf den begüllten. Der Grasanteil der Variante “60 m3/ha + 80 kg N” unterscheidet sich von der Variante “150 dt/ha Festmist” statistisch signifikant. 

Kartierung von Kulturzustandsstufen im Federseeried und  Möglichkeiten der Rekultivierung alter Grünlandbrachen

Ein großer Teil des Dauergrünlandes im Naturschutzgebiet und Europareservat Federseeried wird nicht mehr  ordnungsgemäß landwirtschaftlich genutzt und weist daher unterschiedliche Sukzessionsstadien auf. Für Moorgrünland wird eine Methode zur Kartierung von “Kulturzustandsstufen” vorgestellt. Damit ist es möglich, eine gerechtere Wertermittlung landwirtschaftlicher Grundstücke für die Neuzuteilung innerhalb eines Flurneuordnungsverfahrens vorzunehmen.

Zum Problem der Rekultivierung alter Grünlandbrachen zeigte es sich, daß beispielsweise eine Brennessel-Flur mit einem Ertragsanteil von 90 % Urtica dioica durch jährlich dreimalige Mahd mit Abräumen in nur zwei Jahren in eine Kohldistelwiese umgewandelt werden kann. Die Mähtermine lagen Mitte Mai, Mitte Juli und Ende September. Die Artenzahl an Gefäßpflanzen stieg in dieser Zeit von 17 auf 36, der Futterwert nach Klapp et al. (1953) von 1,3 auf 5,3 an.

 BRIEMLE, G. 2001: Kartierung von Kulturzustandsstufen im Federseeried (Süddeutschland) und Möglichkeiten der Rekultivierung alter Grünlandbrachen. - Landnutzung und Landentwicklung  42: 79-84, Blackwell Wissenschaftsverlag, Berlin.  

Reaktion ausgewählter Pflanzenarten einer Goldhaferwiese auf unterschiedliche Düngungsformen und -höhen

  • Die gedüngten Parzellen wiesen mit durchschnittlich 48 % Ertragsanteile (EA) einen um 11 % signifikant höheren Grasanteil auf als die ungedüngten. Damit zeigten sich die Gräser als der natürliche Gegenspieler zu den Leguminosen. Diese erlitten vor allem durch mineralische Düngung Ertragseinbußen.
  • Der Rotklee nahm vorrangig in den N-Null-Parzellen, aber auch in den Gülle-Varianten zu. Die mineralische  N-Düngung vertrieb diese wertvolle Futterpflanze aus dem Bestand. Beim Vergleich Gülle mit Festmist ist bemerkenswert, daß unter den Leguminosen nur der Rotklee durch Güllegaben signifikant gefördert wird.
  • Der Weißklee wurde nur tendentiell durch Gülledüngung gefördert. Diese Tendenz ist jedoch statistisch nicht gesichert.
  • Die Gruppe der Kräuter wurde von dem 8-jährigen Versuchsgeschehen in ihrer Abundanz nahezu nicht beeinflußt. Lediglich der Wiesenkerbel reagierte auf Festmist-Düngung signifikant anteilsteigernd, der Hahnenfuß signifikant positiv auf mineralische Düngung. 
  • Beim Vergleich “ordnungsgemäße Düngung” mit “SchalVO-Düngung” zeigten sich erwartungsgemäß keine statistisch gesicherten Unterschiede in den Ertragsanteilen. Nur Rotklee und Wiesenkerbel reagierten auf die um 20 % geringere SchalVO-N-Düngung mit leichten, aber signifikanten Anteilsgewinnen.
  • In gradueller Hinsicht wurden im einzelnen gefördert:
  • Gräser (generell) durch Mineraldüngung vor organischer und N-Null-Düngung
  • Knaulgras: 1. durch Düngung (generell) vor N-Null-Düngung; 2. durch ogD min-gemess. vor ogD min-pauschal; 3. durch Festmist vor N-Null-Düngung; 4. durch Gülle vor N-Null-Düngung.
  • Leguminosen (generell) durch N-Null-Düngung vor mäßiger Mineraldüngung und Gülle
  • Rotklee durch N-Null-Düngung vor Gülle und organischer Düngung (generell)
  • Weißklee durch N-Null-Düngung vor mäßiger Mineraldüngung
  • Kerbel durch Festmist vor N-Null-Düngung
  • Scharfer Hahnenfuß durch mäßige Mineraldüngung vor organischer Düngung (generell)

 

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