Ergebnisse langjähriger Freilandversuche:
Artenzahl-Zunahme um 25 Spezies durch Wiederinkulturnahme von Naßbrachen
In einem seit etwa 15 Jahren brachliegenden Kalkquellsumpf am Südrand der Schwäbischen Alb wurden 8 Jahre lang Biotoppflege-Maßnahmen durchgeführt mit dem Ziel, eine
Ausmagerung und damit eine Sukzession in Richtung Davallseggenried herbeizuführen. Anhand sehr genau erhobener Vegetationsaufnahmen auf Dauerquadraten konnte auf einer
"wechselnassen" und einer "wechselfrischen" Fläche eine floristische Artenzahlerhöhung um jeweils ca. 25 Spezies bei einschüriger Herbstmahd nachgewiesen werden. Dagegen
vollzogen die als "feucht" einzustufenden Bereiche lediglich eine Umstellung im Pflanzenbestand, nicht aber eine Aushagerung und Artenzahlerhöhung, obwohl hier jährlich
zwei Pflegegänge (Juni und September) durchgeführt wurden. Insofern waren die Biotoppflege-Maßnahmen nur zum Teil erfolgreich.
Über die ökologischen Wertzahlen ELLENBERG's ließen sich die syndynamischen Prozesse
sehr gut interpretieren und diagnostizieren. Allerdings wird ihr Aussagewert stark von der Schnittverträglichkeit der Pflanzen beeinflußt. Zum Schluß wird eine Methode zur Ermittlung
der bodenbürtigen Stickstoffnachlieferung unter Grünland dargelegt und zur Diskussion gestellt.
Quelle: BRIEMLE, G. 1988: Erfolge und Mißerfolge bei der Pflege eines Feuchtbiotops. Anwendbarkeit ökologischer Wertzahlen. - Telma 18: 311-322, Selbstverlag der DGMT Hannover
Geringe Düngung (20 kg N/ha und Jahr) schadet Artenvielfalt von Magerrasen nicht!
Ein bislang 10-jähriger Freilandversuch auf einem Kalk-Halbtrockenrasen (Mesobrometum) der Schwäbischen Alb, bei dem herausgefunden werden sollte, welche Düngermengen
artenreiche Magerrasen "aushalten" können, ohne daß es zu einer pflanzensoziologischen Verschiebung bzw. Artenverarmung kommt, erbrachte u.a. folgende Ergebnisse:
Bis zu einer Düngungshöhe von 20 kg Stickstoff, 20 kg Phospor und 32 kg Kalium pro Hektar ergaben sich keine wesentlichen pflanzensoziologischen Verschiebungen. Im Gegensatz zu
den Varianten "Mahd ohne Düngung" und "Sukzession", bei denen ein Artenrückgang um bis zu 19 % zu verzeichnen war, kamen in den Düngeparzellen sogar noch einige Pflanzenarten
(vor allem aus dem Arrhenatherion ) dazu. Der ungewöhnlich große Reichtum an knapp 70 Gefäßpflanzenarten pro 25 m2 , der seinerseits wiederum eine hohe Nutzungselastizität und
einen relativ hohen Futterwert bedingt, erlitt durch diese Minimaldüngung also keine Einbußen.
Quelle: BRIEMLE, G. 1997: Wieviel Düngung "verträgt" ein artenreicher Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb? - Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Baden-Württ.71/72 (1): 201-225, Karlsruhe.
Die wichtigsten Ergebnisse aus einem 10-jährigen Streuwiesenversuch im Alpenvorland
- Die im Spätsommer wiederaufgenommene mechanische Pflege der brachgefallenen Streuwiese bewirkte generell eine Förderung typischer Streuwiesenpflanzen (z.B. Teufelsabbiß, Pfeifengras, Alant) auf Kosten
starkwüchsiger Hochstauden (z.B. Mädesüß, Wiesenraute, Gilbweiderich). Schon während der ersten 6 Versuchsjahre kam es zu einem Anstieg der Artenzahlen um durchschnittlich 55 Prozent!
- Ein früher Mahd- oder Mulchtermin im August förderte das schnittempfindliche Pfeifengras nur im Bereich der Hochstaudenflur (Filipendulion), nicht aber in der Pfeifengraswiese selbst (Molinion). Hier
ging es durch die Frühmahd sogar zurück.
- Unter “Mähen ohne Düngung” erfolgte im Filipendulion einer Ausmagerung an Bodennährstoffen, was sich u.a. am Rückgang der Bestandeshöhe und an der Höhe der Biomassenproduktion ablesen ließ. Im Molinion war dies
nicht zu beobachten.
- PK-Düngung mit 60 kg/ha Phosphor und 100 kg/ha Kalium bewirkte innerhalb des Molinion einen deutlichen Anstieg der oberirdischen Biomasse-Produktion. Die Analyse der Nährstoffentzüge ergab, daß die ungedüngte
Mähvariante dem Boden um ein Drittel weniger Nährstoffe als die gedüngte entzieht. Mulchen liegt etwa dazwischen. Dies deutet darauf hin, daß ein Großteil der im Mulchgut enthaltenen Nährelemente vom Pflanzenbestand
wieder aufgenommen wird. Das gilt auch für den Stickstoff, der während des Mineralisierungsprozesses offenbar kaum verloren geht.
- Die PK-Düngung bewirkte besonders im Molinion einen kontinuierlichen Anstieg der Artenzahlen, und zwar von 25 zu Beginn der Pflegearbeiten auf 46 Arten pro 25 qm. Allerdings sind es vor allem Arten der
Wirtschaftswiesen, die eine spektakuläre Zunahme zu verzeichnen hatten. In dieser Variante kommen nach 10 Versuchsjahren Arten der Streuwiesen gemeinsam mit solchen extensiv genutzter Futterwiesen vor.
- Das düngefliehenden Pfeifengras wurde jedoch durch die PK-Düngung vertrieben: Nach 10 Versuchsjahren nahm Molinia caerulea auf dieser Parzelle von ursprünglich 60 auf 1 Prozent Deckdungsgrad ab!
- Durch “Kontrolliertes Brennen” zeigten sich gegensätzliche Effekte zur mechanischen Pflege: In den gebrannten Parzellen wurden Arten mit hohen Nährstoffansprüchen gefördert und Magerkeitszeiger verdrängt. Die
Feuerbehandlung konnte ein weiteres Verbuschen mit Himbeer, Faulbaum und Strauchweiden nicht aufhalten, und es kam zu einem Rückgang der Artenzahlen.
- Nach deutlichen “Turbulenzen” innerhalb der ersten 5 Versuchsjahre kam die Vegetationsdynamik nach 10 Jahren Beobachtungszeit nunmehr soweit zur Ruhe, daß sich auf dem Großteil der Versuchsfläche ein Gleichgewicht
zwischen Standort, Bewuchs und Pflegefrequenz eingestellt hat. Es zeigte sich, daß ein spätsommerlicher Mulchtermin in Streuwiesen dieselben (positiven) Effekte mit sich bringt, wie Mähen mit Abräumen.
Quelle: Briemle, G. 1992: Ergebnisse aus 10jähriger Pflege einer brachgefallenen Streuwiese des Alpenvorlandes. – Naturschutzforum 5/6: 87-114, Kornwestheim.
Die Regeneration einer Streuwiese aus einer langjährigen Futterwiese ist nur schwer möglich
Trotz begleitender Wiedervernässung war es in einem Zeitraum von 10 Jahren nicht möglich, aus einer ertragreichen aber artenarmen Moor-Futterwiese eine artenreiche Streuwiese etwa
vom Typ der bodensauren Kleinseggenriede oder Pfeifengraswiesen zu erzeugen. Selbst die Ansaat von Arten der Ziel-Pflanzengesellschaft auf zuvor stark verletzten Moorboden brachte
keinen Erfolg: Zu unduldsam war die vorhandene, sich sehr schnell regenerierende Grasnarbe gegenüber Neuankömmlingen. Erst ein Umbruch mit Neuansaat ermöglichte die dauerhafte
Ansiedlung neuer Arten. Der Langzeitversuch zeigte erneut, wie schwierig, ja unmöglich es ist, melioriertes und langjährig relativ intensiv genutztes Feuchtgrünland in absehbarer Zeit
wieder in eine artenreiche Halbkulturformation, wie es die Streuwiesen darstellen, zu verwandeln. Auch wurde wiederum deutlich, dass allzu extensive Pflegeverfahren wie etwa
das aus Kostengründen oft praktizierte jährlich einmalige Mulchen im Herbst kontraproduktiv sind und rasch zu monotonen Beständen führen.
Wird dagegen der umgekehrte Weg beschritten, also die Regeneration einer Streuwiese aus
einer langjährigen Brache, so sind in relativ kurzer Zeit sehr artenreiche Pflanzenbestände zu erwarten (vergl. Briemle, 1988; 1992)
Heu aus artenreichen Magerrasen besser als sein Ruf!
Ein bislang 10jähriger Freilandversuch auf einem Kalk-Halbtrockenrasen (Mesobrometum) der Schwäbischen Alb, bei dem herausgefunden werden sollte, welche Düngermengen
artenreiche Magerrasen "aushalten" können, ohne daß es zu einer pflanzensoziologischen Verschiebung bzw. Artenverarmung kommt, erbrachte u.a. folgendes Ergebnis: Heu aus
artenreichen, vor allem kräuterreichen Wiesen, deren erster (oder einziger) Aufwuchs erst im Juli geschnitten wird, kann sehr gut in der Rinderaufzucht verfüttert werden!
Pflanzenbestände wie der hier besprochene, mit einem Kräuteranteil von mehr als 50 % am Grünmasse-Ertrag, sind dazu besonders geeignet. Sie besitzen den Futterwert einer zweimal geschnittenen Wiese.
Quelle: BRIEMLE, G. 1997: Wieviel Düngung "verträgt" ein artenreicher Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb? - Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Baden-Württ.71/72 (1): 201-225, Karlsruhe.
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