Ergebnisse langjähriger Freilandversuche
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Kräuterreiche, einmähdige Magerwiese hat denselben Futterwert wie
eine 2-Schnitt-Wiese
Ein bislang 10jähriger Freilandversuch auf einem Kalk-Halbtrockenrasen (Mesobrometum) der Schwäbischen Alb, bei dem herausgefunden werden sollte,
welche Düngermengen artenreiche Magerrasen "aushalten" können, ohne daß es zu einer pflanzensoziologischen Verschiebung bzw. Artenverarmung kommt, erbrachte u.a. folgende Ergebnisse:
Der durchschnittliche Hektar-Ertrag lag bei 26 dt TM. Der geringste Wert wurde bei der Variante "Mahd ohne Düngung" mit 14 dt (1993), der höchste bei der Variante
"NPK 20/20/32" im Jahre 1987 mit 45 dt ermittelt. Gegenüber der Null-Düngung (Ausmagerungsvariante) ergab sich hierbei eine mittlere Ertragssteigerung um 8
dt/ha oder 35 %. Das unter einschüriger Nutzung Mitte Juli geworbene "Öko-Heu" besitzt mit einer Energiedichte von 5,0 MJ NEL/kg TS und einem Rohproteingehalt
von 11 % immerhin die Qualitätsmerkmale einer zweischnittigen Wiese!
BRIEMLE, G. 1997: Wieviel Düngung "verträgt" ein artenreicher Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb? - Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Baden-Württ.71/72
(1): 201-225, Karlsruhe.
Der Futterwert ist ausschließlich vom Schnittzeitpunkt abhängig!
Was die Futterqualität betrifft, unterscheiden sich gedüngte Pflanzenbestände durch höhere Rohprotenin-Gehalte von ungedüngten, nicht aber in der Energiedichte.
Diese ist ausschließlich vom Nutzungszeitpunkt abhängig. Die Futteraufwüchse von “gewaltsam extensiviertem” Grünland (Eiweißgehalt zwischen 7,2 und 11,5;
Energiedichte zwischen 3,5 und 4,6 MJ NEL/kg TS) sind mit der Qualität von Magerwiesen vergleichbar und höchstens an Pferde, wachsende Rinder und nichttragende Mutterschafe verfütterbar.
BRIEMLE, G. 1998: Aulendorfer Extensivierungsversuch: Ergebnisse aus 10 Jahren Grünlandausmagerung. - Landinfo 8/98: 1-7, LEL-Verlag Schwäbisch-Gmünd.
Giftpflanzen im Grünland: Heutzutage ist nur noch die Herbstzeitlose wirklich gefährlich!
Die Giftwirkung der Grünlandpflanzen hängt hauptsächlich von der aufgenommenen Menge ab, richtet sich aber auch nach der Giftart. Dabei steht die Gruppe der
Alkaloide an der Spitze der Giftigkeit. Ferner verteilen sich die Giftstoffe mitunter nur auf bestimmte Pflanzenteile. So sind bekanntlich Blatt, Blüte und Frucht der
Kartoffel erheblich giftig, die Knolle dagegen ein hervorragendes Nahrungsmittel. Da die meisten Giftpflanzen des Grünlandes beim Konservierungsvorgang ihre
Giftigkeit verlieren, besteht für die Nutztiere in der Regel keine Gefahr. Im frischen Zustand werden diese Kräuter von den Weidetieren ohnehin gemieden.
Gemäß einer Skala der Giftigkeitsstufe nach Buff & Dunk ist beispielsweise der von Heu-Händlern oft gefürchtete Klappertopf weniger giftig als etwa der mit dem
Deutschen Weidelgras eng verwandte Taumel-Lolch, das Ruchgras, die Sumpfdotterblume, die Platterbse oder das Buschwindröschen. Hinsichtlich der bleibenden Giftwirkung auch im Heu kann man Herbst-Zeitlose und Sumpf
-Schachtelhalm als am gefährlichsten bezeichnen. Da letzterer jedoch durch die in den vergangenen 50 Jahren erfolgte Entwässerung nassen Grünlandes kaum mehr
vorkommt, bleibt als wirkliche Gefahr nur noch die Herbst-Zeitlose übrig. Die tödliche Dosis für Mensch und Tier liegt bei 2-40 mg Colchicin. Der Durchschnittswert von 20 mg ist ungefähr in 5 g Samen enthalten. Damit ist dieses
Liliengewächs, welches am häufigsten in langjährig zu spät gemähtem, feuchtem Extensiv-Grünland vorkommt, im Giftigkeitsgrad mit Tollkirsche und Schierling zu vergleichen.
BRIEMLE, G. 2000: Giftpflanzen kehren zurück! - Badische Bauernzeitung Freiburg 53. Jg. Nr. 20: 20-22 und 21: 21-23
Problem-Unkraut Herbstzeitlose (Colchicum autumnale L.) und ihre
Bekämpfung
Die Herbstzeitlose ist mehrjährig, und damit nicht auf jährliches Aussamen angewiesen. Das sicherste Mittel zur sofortigen Bekämpfung ist alten Literaturangaben zufolge das Ausstechen oder Ausziehen der Einzelpflanzen
Anfang Mai. Dann nämlich hat die alte Knolle am stärksten ihre Reserven verausgabt. Der junge Trieb reißt infolge des noch weichen Bodens beim Ausziehen nicht an der Erdoberfläche, sondern oberhalb der jungen Knolle ab. Die
alte Knolle ist dann nicht mehr regenerationsfähig und auch die junge geht in der Regel zugrunde. Wird dieses Ausjäten 23 Jahre nacheinander wiederholt, so ist
man die Herbstzeitlose für lange Zeit los, falls nicht durch Hochwasser oder durchziehende Weidetiere neue Samen zugeführt werden. Im übrigen sitzt die Knolle 1520 cm tief (und auch tiefer), weswegen eine Bekämpfung durch Umbruch
meist nicht gelingt. Wegen des besonders hohen Giftgehaltes dürfen die ausgerissenen Blätter selbstverständlich nicht auf der Weide liegenbleiben. Die Bekämpfung mit Wuchsstoffmitteln hat sich als ungenügend erwiesen; bessere
Wirkungen zeigten sich nach vorheriger Verletzung der Pflanzen durch Befahren mit einer Stachelwalze (Rauschert, 1961).
Auf weidefähigem Grünland empfiehlt sich als erfolgversprechende Maßnahme zur
Bekämpfung der trittempfindlichen Pflanze eine Umtriebsweide ab Anfang Mai mit hoher Besatzdichte. Man wird dabei nur alte, weideerfahrene Rinder oder Pferde auftreiben. Nicht zertretenen Triebe müssen aber unbedingt noch vor der
Samenreife (also vor Mitte Juni) nachgemäht werden! Im Anschluß an die Beweidung (bzw. den Frühschnitt oder das Ausstechen) hat sich seit alters her reichliche Stickstoffdüngung (am wirksamsten Jauche oder Gülle) erwiesen,
wodurch das Absterben der Knollen beschleunigt wird. Bei Massenvorkommen ist ein 2-3-jähriger Frühschnitt wirtschaftlicher. Ein solcher schädigt die Herbstzeitlose,
da ihr dann die Blätter zur Assimilation genommen werden. In den Futterwiesen wurde sie daher früher durch vorgezogene Mahd (Abmähen der Blätter mit den Fruchtkapseln im Vorsommer und der Blüten im Frühherbst), Entwässern, Düngung
oder durch Umbruch erfolgreich bekämpft (Rrauschert 1961; Hegi 1912/1982).
Stählin (1969) empfiehlt folgende Maßnahmen:
- Einsatz schwerer Walzen zur Schädigung der Knollen und zur Narbenverdichtung gegen Keimung aus dem Samenvorrat des Bodens.
- Schnitt der Blüten im Herbst gegen Samenbildung.
- Ausziehen und Abtransport der Pflanzen bei voller Blattentwicklung und bei fühlbarem Erscheinen der Kapseln. Dies zwei Jahre lang zum Aushungern der Knollen, danach jedes mal Ausbringen von Gülle oder Jauche zwecks
Ausfaulens der Knollen.
- Auf Wiesen kräftige Volldüngung und Übergang zu Dreischnitt-Nutzung oder wenigstens Vorverlegung des ersten Schnittes zur Vermeidung von Samenreife und ausfall.
- Auf Weiden Übergang zu intensiver Nutzung mit Frühweide, mit dichtem Besatz zwecks starker Trittwirkung (Zerquetschen der Blätter gegen Reservestoff-Sammlung) und mit Nachmahd gegen Aussamen im
Vorsommer. Vorweide auf nicht zu sehr verseuchten Flächen zur Verdichtung der Grasnarbe.
- Gegen Wuchsstoffe ist die Herbstzeitlose – auch bei verstärkter Aufwandmenge – sehr hartnäckig. Noch am besten wirken 2,4,5T (+ MCPA oder + 2,4D), 2,4DB oder MCPB in hoher Dosierung bei 25-30 cm Wuchshöhe
(= im Mai, wenn die Fruchtkapseln gerade fühl oder sichtbar geworden sind). Zur Verbesserung der Walz-Wirkung und in Verbindung mit einem 14 Tage später erfolgenden Schnitt. Danach Überfahren der Fläche mit flüssigem
Wirtschaftsdünger zum Ausfaulen der Knollen oder Abschleppen nach 3-4 Wochen.
Briemle, G. 2000: Giftpflanzen des Grünlandes. – Allgäuer Bauernblatt Kempten, 68. Jg. Nr.17: 28-31 und Nr.19: 21-24.
Kräuterreiches Extensiv-Grünland ist sehr nutzungselastisch
Extensivgrünland ist standörtlich definiert und weist eine geringere natürliche Produktivität auf als Wirtschaftsgrünland. Möglichkeiten der Integration in die
moderne Viehhaltung bestehen in der Verfütterung der Aufwüchse an Nutztiere mit geringeren Ansprüchen an die Futterqualität, wie auch als ergänzende
Strukturkomponente für Milchvieh. Die Noch-Verwertbarkeit von Futter aus extensiv genutzten Wiesen sollte sich dabei nicht an starren Schnittzeitpunkten orientieren,
sondern die Phänologie des Pflanzenbestandes im Auge haben. Eine Mindestversorgung mit Hofdüngern schließlich garantiert nicht nur Krautreichtum und damit die Buntheit der Wiesen, sondern auch Nutzungselastizität und
Verwertbarkeit in viehhaltenden Betrieben.
Quelle: BRIEMLE, G. 1997: Möglichkeiten der Integration extensiv genutzter Wiesen und Weiden in die moderne Landwirtschaft. - Kongreßdokumentation "Wiesen und
Weiden"; Hrsg.: Kunst- und Ausstellungshalle der BRD, Bonn 1997: 175-195.
Zur Ausmagerbarkeit von Wirtschaftsgrünland verschiedener
Standorte und die Auswirkungen auf Konservierbarkeit und Futterwert
Standortkunde und Botanik
In einem dreijährigen Freilandversuch an 4 verschiedenen Standorten Baden-Württembergs wurde eine gezielte Ausmagerung (Biomasse-Entzug unter Düngeverzicht) vorgenommen.
Von den standardmäßig erhobenen Bodenwerte (P, K, Mg, pH) erhofft man sich Hinweis auf die allgemeine Nährstoffverfügbarkeit. Obwohl die Bodenwerte um Mineralstickstoffgehalt (Nmin), Humusgehalt und -qualität (C/N) bzw. ihre
Kombination (Trophiefaktor) erweitert wurden, konnten nennenswerte, statistisch gesicherte Beziehungen weder zum Ertragsverlauf, noch zu den Stickstoffentzügen nachgewiesen werden. Auf den hier untersuchten Mineralböden
scheinen am ehesten noch Phosphat und C/N-Verhältnis ertragsrelevant zu sein. Unter Vierschnittnutzung mit Düngeverzicht hat der Ertragsanteil der Gräser zugunsten der Leguminosen und sonstigen Kräuter signifikant abgenommen. Aus
pflanzensoziologischer Sicht zeichnet sich nach 4 Jahren Ausmagerung indes weder eine Rückentwicklung zur mesotrophen Glatthaferwiese ab, noch konnten sich typische Magerkeitszeiger in den Beständen etablieren. Selbst bei doppelter
Schnittzahl ließ sich eine trophische Ausmagerung der Böden über Zeigerpflanzen noch nicht statistisch gesichert nachweisen. Insgesamt läßt die nur kurze Versuchslaufzeit noch keine schlüssige und übertragbare Interpretation des
Standortgeschehens zu.
Konservierbarkeit
Eine gegenüber dem praxisüblichen Schnittermin im Mai um 4 Wochen verzögerte Nutzung des Erstaufwuchses verringerte die Zuckergehalte der Pflanzen. Da gleichzeitig die Pufferkapazität abnahm, konnten die Aufwüchse trotzdem noch
siliert werden. Die durch Verzicht auf jegliche Düngung gekennzeichneten Aufwüchse sind unabhängig vom Schnittzeitpunkt nitratarm bzw. -frei. Durch die
Zugabe von enzymhaltigen Siliermitteln wurden die Futterwertparameter weder bei Früh- noch Spätschnitt beeinflußt. Daher läßt sich die geringere Energiekonzentration durch Spätschnitt nicht durch die Zugabe von Enzymen
ausgleichen. Auf die Gärqualität der Silagen wirkte sich der Spätschnitt insofern aus, als Zuckergehalt und die Konzentration an Milchsäure geringer waren. Die Zugabe
von Milchsäurebakterien und Melasse wirkte sich bei Spätschnitt günstig auf den Gehalt an Milchsäure und den pH-Wert aus. Demnach kann auch bei Nutzungsverzögerung durchaus eine gute Gärqualität erreicht werden. Durch die
um 4 Wochen verzögerte Nutzung verschlechterte sich allerdings die Verdaulichkeit der organischen Substanz um 23 %, die Energiekonzentration sogar um 35 %. Die Zugabe von Milchsäurebakterien plus Melasse hatte bei Spätschnitt
auf nahezu alle Parameter der Verdaulichkeit signifikant positive Effekte und ist deshalb in der Wirkung sicherer einzuschätzen, als enzymhaltige Zusätze.
Futterwert und -akzeptanz
Futter aus ausgemagertem Grünland kann durchaus sinnvoll in der landwirtschaftlichen Tierhaltung eingesetzt werden. Im Milchviehbetrieb kann solches Futter an trockenstehende Kühe bis 2 Wochen vor der Kalbung sowie
Aufzuchtrinder im zweiten und dritten Lebensjahr verfüttert werden. Allerdings darf hier die Energiedichte nicht unter 9 MJ ME/kg TS, der Rohproteingehalt nicht unter
10 % in der TS liegen. Außerdem muß die mikrobielle Beschaffenheit optimal sein. Auch im Bereich der Pferdehaltung sind Verwertungsmöglichkeiten vorhanden. Wenn die oben genannten Voraussetzungen nicht vorliegen, muß das Futter jedoch
mit energie- bzw. proteinreichen Komponenten ergänzt werden.
Streuwiesenheu als Strohersatz nur mit futterhygienischen Vorbehalten in der Rinderfütterung verwertbar!
In einem sogenannten "AkzeptanzVersuch" wurde mit heranwachsenden Rindern die Möglichkeiten der Verfütterung von Streuwiesenheu statt Getreidestroh geprüft.
In Kombination mit hochwertigen Futtermitteln könnten gewisse Mengen an Streuwiesenheu an Rinder verfüttert werden, allerdings nur dann, wenn die Futterhygiene stimmt. In diesem empfindlichen Punkt ist Futterstroh ohne Zweifel
von konstanterer Qualität und damit hochwertiger.
Wenn Streuwiesenheu im Bereich der Tierhaltung untergebracht werden soll, so steht die Verfütterung sicherlich erst an zweiter Stelle. Zunächst sollte versucht
werden, die Aufwüchse in überkommener Weise zu verwerten, nämlich wie der Name schon sagt: als Einstreu. Dazu wäre es aber agrarpolitisch notwendig, Haltungsverfahren zu fördern, die eine Verwertung im ursprünglichen Sinne
zulassen. Es bieten sich dabei zwei Möglichkeiten an: Der Tretmiststall und der Tieflaufstall. Beide Verfahren sind für die Rinderaufzucht bestens geeignet. Sie sind
aber bekanntlich arbeitsaufwendiger im Vergleich zu einstreulosen Verfahren.
JILG, T. & G. BRIEMLE 1992: Zur Akzeptanz von Streuwiesenheu im Vergleich zu Gerstenstroh in der Fütterung von Aufzuchtrindern. - Das Wirtschafteigene Futter, 38 (2): 91-104; Frankfurt/M.
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